Den Abschluss des Kurses bildet die Konzeption, Gestaltung, Umsetzung, Inszenierung und Dokumentation eines interaktiven Artefakts, das sie auf Basis des Hackday-Themas entwickeln. Das Artefakt nutzt die im Kurs erarbeiteten gestalterischen und algorithmischen Mittel und reagiert auf Eingaben über Tastatur oder die GUI unseres Dev Environments. Es bildet zugleich den Ausgangspunkt für den anschließenden Kurs Interaction Design, in dem es um weitere Interaktionsformen erweitert wird.
Damit ihr Projekt sichtbar, anschlussfähig und reflektiert wird, dokumentieren sie es in einer Case Study: einer einseitigen Webseite, die ihr Artefakt zeigt, seine Genese erzählt und die Erkenntnisse benennt, die sie aus der Arbeit mitnehmen. Ihre Case Study Website muss über das Coco Gitlab veröffentlicht werden (Gitlab Page).
Die Case Study erfüllt drei Funktionen: sie ist die Grundlage, auf der ich ihnen Feedback geben kann. Sie macht ihr Projekt für eine fremde dritte Person verständlich, etwa für Besucher:innen einer Ausstellung oder für Kommiliton:innen aus einem späteren Semester. Und sie zwingt sie selbst dazu, einen Schritt zurückzutreten und das eigene Vorgehen einzuordnen. Für diese Case Study Website stelle ich ihnen eine Vorlage bereit, welche sie übernehmen oder anpassen können. Eine eigene Umsetzung ist auch möglich. Die Case Study (Website) ist kein Schreibprojekt. Sie soll visuell tragen, kurz im Text bleiben und schnell erfassbar sein.
Am Ende des Kurses haben sie ein eigenes interaktives Artefakt entwickelt, das gestalterisch und algorithmisch trägt, sowie eine Case-Study-Website, die dieses Artefakt zeigt, erklärt, erlebbar macht und seinen Entstehungsweg erläutert. Das Artefakt ist die Substanz, die Website macht es zugänglich. Beides gehört zusammen, aber die Reihenfolge ist nicht beliebig: eine starke Website kann ein schwaches Artefakt nicht retten.
Aus dem Hackday-Thema entwickeln sie eine eigene Idee, Zielsetzung als auch Aufgabenstellung und führen diese mit den im Kurs erarbeiteten Mitteln, also Punkt, Linie, Fläche, Farbe, Form und Bewegung, zu einem eigenständigen Artefakt. Sie üben den Schritt von der Idee zur Umsetzung und das Treffen gestalterischer Entscheidungen.
Sie beherrschen die Bausteine des Kurses soweit, dass sie damit nicht nur ausführen, sondern entwerfen. Code wird zu einem Werkzeug, das sie steuern, nicht zu einer Hürde, die sie umgehen müssen.
Sie lernen, einen Entwicklungsweg in Stationen zu zerlegen, die einzelnen Schritte einzuordnen und das Ergebnis von der Reise zu unterscheiden, die dorthin geführt hat. Das ist eine Kompetenz, die ihnen über das Studium hinaus in jeder gestalterischen Auseinandersetzung dient.
Sie üben, ihr Projekt so darzustellen, dass es ohne sie funktioniert: visuell, verständlich und prägnant. Diese Vermittlungsfähigkeit ist in der gestalterischen Praxis genauso wichtig wie die Gestaltung selbst.
Der Kurs ist als Bewegung von der Erkundung zur Verdichtung angelegt.
In der ersten Woche erweitern sie ihr gestalterisches und algorithmisches Repertoire entlang einzelner Themen. Sie probieren aus, variieren, sammeln. Diese Phase ist breit und experimentell, das Ziel ist nicht das fertige Artefakt, sondern Material und Sicherheit im Umgang mit den Mitteln.
In der zweiten Woche kommt mit dem Hackday-Thema ein Fokus dazu. Aus der Breite der Erkundung entscheiden sie sich für eine Richtung und entwickeln das interaktive Artefakt. Der Weg dorthin verläuft in nachvollziehbaren Stationen, an denen sie jeweils Feedback einholen können.
Der Abschluss ist die Verdichtung dieses Wegs in der Case-Study-Website. Hier treten sie einen Schritt zurück und ordnen ein, was passiert ist. Diese Verdichtung ist nicht nur Dokumentation, sondern selbst ein Lernschritt: erst wenn sie Ihren Prozess für andere lesbar machen, wird er auch für sie selbst greifbar.
Feedback ist in diesem Kurs nicht Begleitmusik, sondern Hauptmedium des Lernens. Da der Kurs unbenotet ist, ersetzt das Feedback nicht eine Note, sondern es tritt an deren Stelle als das, woran sie ihre Entwicklung messen können. Sie holen es sich an Pflichtterminen, im Kurs und untereinander. Ihre Bereitschaft, früh zu zeigen, gezielt zu fragen und Rückmeldungen einzuarbeiten, ist der wichtigste Hebel für das, was sie am Ende mitnehmen.
Die Case-Study-Website dokumentiert nicht nur das Endergebnis, sondern auch die Entwicklung. Sie zeigen, wo sie gestartet sind, welche Stationen sie auf dem Weg passiert haben und wo sie schließlich angekommen sind. Damit erfüllt die Website drei Funktionen gleichzeitig.
Indem sie ihre Arbeit in Stationen zerlegen und diese kommentieren, treten sie einen Schritt zurück und ordnen das eigene Vorgehen ein. Was war die Idee? Was hat funktioniert? Was hat sich verändert und warum?
Eine fremde dritte Person, etwa eine Besucherin einer Ausstellung oder eine Kommilitonin aus einem späteren Semester, soll ihr Projekt verstehen können, ohne dass sie daneben stehen und erklären. Diese Vermittlungsfähigkeit ist eine Kernkompetenz im gestalterischen Beruf, und sie wird hier eingeübt.
Auf Basis der Website gebe ich ihnen mein Feedback. Je präziser und ökonomischer die Website ist, desto fundierter und gezielter kann das Feedback ausfallen.
Das Herzstück der Case-Study-Website ist eine Abfolge von Stationen, die den Weg zum finalen Artefakt nachzeichnen. Insgesamt sind idealerweise drei Stationen sichtbar: ein bis zwei Vorstufen und der finale Sketch.
Eine Vorstufe ist ein eigenständiger Zwischenstand ihrer Arbeit, der einen erkennbaren Unterschied zum nächsten Schritt aufweist. Das kann eine frühere Version desselben Sketches sein, ein verworfener Pfad, eine Variante mit anderem gestalterischem oder algorithmischem Ansatz, oder eine bewusst reduzierte Vorform, an der sie ein einzelnes Element erprobt haben. Wichtig ist nicht, dass die Vorstufen schöner werden, sondern dass sie den Entwicklungsweg sichtbar machen.
Pro Station zeigen sie:
Die Stationen müssen nicht die geplanten Zwischenstände aus dem Kurs sein. Es ist ausdrücklich erlaubt und oft sogar interessanter, im Nachgang zwei Stadien aus dem eigenen Prozess auszuwählen, die die Genese des finalen Sketches am stärksten erzählen.
Beim finalen Sketch kommt zur Erläuterung das Video hinzu, das die zentralen Interaktionen zeigt, sowie eine verlinkte Version.
Abgabetermin ist das Ende der Modulwoche. Sie stellen ihre Case Study Webseite via Gitlab Page zur Verfügung. Diese enthält:
Auch wenn der Kurs unbenotet ist, arbeite ich für das Feedback mit fünf Niveaustufen. Sie machen meine Einschätzung ihrer Arbeit nachvollziehbar und geben ihnen Orientierung, wo sie stehen und wohin sie sich entwickeln können. Ab der Stufe «Akzeptable Lösung» gilt der Kurs als bestanden.
Jede Stufe wird entlang von vier Dimensionen beschrieben: Auseinandersetzung & Iteration, Vermittlung, gestalterisches Repertoire und algorithmisches Repertoire. Diese vier Dimensionen ergeben sich direkt aus den Sektionen ihrer Case Study und aus dem, was wir im Kurs zusammen erarbeiten.
Ergänzend finden sie zu jeder Stufe eine Kundenperspektive. Sie übersetzt die jeweilige Bewertung in eine berufliche Alltagssituation: Wie würde ein Kunde reagieren, der eine Arbeit auf diesem Niveau erhält? Diese Perspektive ist nicht Teil der Bewertung selbst, sondern eine Einordnung. Sie soll ihnen sichtbar machen, was die Stufen jenseits der Hochschule praktisch bedeuten, und sie früh mit dem Maßstab in Berührung bringen, an dem gestalterische Arbeit später gemessen wird.
Die Case Study überzeugt, überrascht, lädt zur Interaktion und Diskussion ein, weil das Artefakt eine eigenständige gestalterische Position bezieht und der Weg dorthin sauber erzählt wird.
Auseinandersetzung & Iteration: Die Stationen zeigen einen substantiellen Entwicklungsweg, samt nachvollziehbarer Bruchstelle oder produktiver Sackgasse. Die Erkenntnis-Sektion enthält eine Einsicht, die über das Projekt hinaus trägt.
Vermittlung: Eine fremde dritte Person versteht ohne Rückfrage, was das Artefakt tut, warum es so aussieht und wie es entstanden ist. Captions sind präzise und ökonomisch, das Video setzt das Artefakt richtig in Szene.
Gestalterisches Repertoire: Das Hackday-Thema wird eigenständig interpretiert. Die Case Study bringt etwas auf, das man so aus den Kursaufgaben nicht kennt.
Algorithmisches Repertoire: Bewusster, gezielter Einsatz der im Kurs eingeführten Techniken plus mindestens ein Schritt darüber hinaus.
Kundenperspektive: Ein Kunde wäre begeistert, würde die Arbeit ungefragt im eigenen Netzwerk zeigen und käme mit dem nächsten Auftrag zurück, bevor das Projekt überhaupt abgerechnet wäre.
Die Case Study ist souverän umgesetzt und trägt den Entwicklungsweg sicher durch und entwickelt Ansätze aus den Kursaufgaben sinnvoll weiter.
Auseinandersetzung & Iteration: Die Stationen zeigen einen nachvollziehbaren Entwicklungsweg, Veränderungen sind begründet. Die Erkenntnis ist substantiell und projektbezogen.
Vermittlung: Verständlich aufbereitet, kleine Lücken möglich. Video und Erläuterungen sind nachvollziebar und verständlich.
Gestalterisches Repertoire: Sichere Anwendung des Repertoires mit eigenständiger Variation der Aufgabenstellung.
Algorithmisches Repertoire: Saubere Umsetzung, alle relevanten Techniken werden bewusst eingesetzt.
Kundenperspektive: Ein Kunde wäre zufrieden, mähme die Arbeit ohne Diskussion ab und behielte die Kontaktdaten für den nächsten Auftrag.
Die Case Study wirkt solide gebaut, bleibt in der Auseinandersetzung aber an der Oberfläche.
Auseinandersetzung & Iteration: Drei Stationen sind erkennbar, der Weg dazwischen lässt sich nachzeichnen, Begründungen bleiben jedoch teils oberflächlich. Die Erkenntnis ist knapp, aber vorhanden.
Vermittlung: Das Grundprinzip wird vermittelt, Dritte hätten Rückfragen. Erzählfluss mit Lücken.
Gestalterisches Repertoire: Aufgabenstellung wurde ordentlich umgesetzt, wenig eigene Akzente.
Algorithmisches Repertoire: Eingesetzte Techniken funktionieren, wirken aber eher übernommen als reflektiert.
Kundenperspektive: Der Kunde nähme die Arbeit ab, käme aber mit einer Liste an Änderungswünschen zurück und vergleicht beim nächsten Auftrag mit anderen Anbietern.
Das Case Study-Format ist formal erfüllt, alle Sektionen sind da, der Sketch läuft. Die Bearbeitung bleibt jedoch auf Mindestniveau.
Auseinandersetzung & Iteration: Die drei Stationen sind sichtbar, wirken aber als Pflichterfüllung. Veränderungen werden behauptet, nicht eingeordnet. Die Erkenntnis ist ein Pflichtsatz, aber nicht leer.
Vermittlung: Reicht aus, um das Artefakt zu erkennen, bleibt visuell und sprachlich hinter dem Format zurück.
Gestalterisches Repertoire: Mindestbearbeitung des Hackday-Themas erkennbar.
Algorithmisches Repertoire: Funktionsfähiger Sketch auf Basis der Kurs Aufgaben, ohne erkennbare Erweiterung.
Kundenperspektive: Der Kunde nähme die Arbeit ab, weil das Geforderte da ist, wäre aber nicht überzeugt und beauftragt beim nächsten Projekt jemand anderen.
Mindestens eine der vier Dimensionen ist substantiell unterschritten, sodass die Case Study ihre Funktion nicht erfüllt.
Auseinandersetzung & Iteration: Stationen fehlen, sind nicht voneinander unterscheidbar oder zeigen keinen nachvollziehbaren Weg. Erkenntnis fehlt oder ist beliebig.
Vermittlung: Ohne mündliche Erläuterung nicht verständlich.
Gestalterisches Repertoire: Hackday-Thema wird nicht erkennbar bearbeitet.
Algorithmisches Repertoire: Sketch unvollständig oder läuft nicht.
Kundenperspektive: Der Kunde würde die Abnahme verweigern, er würde das Honorar zurückfordern und warnt im Kollegenkreis vor einer weiteren Beauftragung.