Yayoi Kusama (*1929, Matsumoto) zählt zu den bekanntesten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihr Werk umspannt mehr als sieben Jahrzehnte und reicht von frühen Zeichnungen über Malerei, Skulptur und Installation bis zu den immersiven Infinity Mirror Rooms, die sie zu einer weltweit ikonischen Figur gemacht haben. Wiederkehrend in all dem: das Punktemuster, die Wiederholung, das Aufgehen des Einzelnen im Ganzen.
Für diesen Kurs ist Kusama aus zwei Gründen ein besonders ergiebiges Thema. Zum einen sind viele ihrer Prinzipien, also Wiederholung, Akkumulation und Selbstauslöschung im Muster, eng verwandt mit den Grundlogiken generativer Gestaltung, die wir in den letzten Tagen erarbeitet haben. Zum anderen läuft mit der Ausstellung Yayoi Kusama im Museum Ludwig vom 14. März bis 2. August 2026 ausgerechnet in Köln eine der größten Werkschauen ihrer Karriere. Sie haben das Original vor der Haustür, nicht nur Reproduktionen im Netz.
Entwickeln Sie ein interaktives Artefakt, das einen erkennbaren Bezug zum Werk Yayoi Kusamas aufnimmt und mit den Mitteln der generativen Gestaltung weiterdenkt. Ihr Sketch läuft in der bereitgestellten Dev-Umgebung, nutzt deren GUI für die Steuerung und reagiert auf die wählbaren Darstellungsflächen.
Welchen Bezug Sie zu Kusama herstellen, ist Ihnen überlassen. Sie können ein konkretes Werk übersetzen, ein Prinzip aufgreifen, mehrere Werke kombinieren oder eine eigene Antwort auf ihre Arbeit entwickeln. Die folgenden Abschnitte helfen Ihnen, eine Perspektive zu finden und die Grenzen der Aufgabe zu verstehen:
Nehmen Sie sich die Zeit, diese Abschnitte vor dem Start zu lesen. Eine gut gewählte Perspektive ist die halbe Miete.
Innerhalb des Themas haben Sie einen großen Spielraum. Damit Sie ihn nutzen können, hier sieben mögliche Perspektiven, aus denen sich Ihr Sketch entwickeln lässt. Sie können sich für eine entscheiden, mehrere kombinieren oder eine eigene finden, die sich an dieser Liste orientiert.
1. Übersetzung eines konkreten Werks. Sie nehmen ein bestehendes Werk von Kusama, etwa Compulsion Furniture (1966) aus der Sammlung des Museum Ludwig, und überführen es in eine interaktive Visualisierung. Das Werk bleibt erkennbar, aber Sie machen es bewegt und interaktiv.
2. Werk im Stil Kusamas, generativ gedacht. Was hätte Kusama gemacht, wenn sie mit Code gearbeitet hätte? Sie entwickeln eine eigenständige Komposition, die sich erkennbar im Vokabular der Künstlerin bewegt, ohne ein bestehendes Werk zu zitieren.
3. Mash-up aus mehreren Werken. Verschiedene Werke oder Werkphasen treffen in einem Sketch aufeinander, kollidieren oder gehen ineinander über. Reizvoll ist diese Variante vor allem dann, wenn der konzeptuelle Bezug zwischen den gewählten Werken sichtbar wird.
4. Konzeptuelle Übersetzung. Sie greifen nicht ein konkretes Werk auf, sondern ein Prinzip Kusamas: Self-Obliteration, Akkumulation, Wiederholungszwang, Auflösung im Muster. Hier ist die ästhetische Freiheit am größten, der konzeptuelle Bezug muss aber tragen.
5. Halluzination als generative Logik. Kusama beschreibt ihr Werk als Verarbeitung halluzinatorischer Erfahrungen, in denen Körper und Umgebung von Punkten und Blüten überwuchert werden. Sie übersetzen diese Erfahrung in eine interaktive Form, in der Ihr Sketch auf Eingaben mit einer Art Überwucherung, Vermehrung oder Auflösung reagiert.
6. Antwort auf ein Werk. Ihr Artefakt ist keine Übersetzung, sondern ein interaktives Gegenüber. Sie positionieren sich zu einem Werk und entwickeln einen Sketch, der mit ihm in Dialog tritt oder ihm widerspricht.
7. Möglichkeitsraum einer Werkserie. Sie nehmen eine ganze Werkserie, etwa Infinity Nets oder My Eternal Soul, und interpretieren sie als Möglichkeitsraum. Ihr Sketch erzeugt eigenständige Variationen innerhalb dieser Logik, nicht ein einzelnes Bild.
Die Aufgabe lässt Ihnen bewusst viel Spielraum, hat aber vier Grenzen, die nicht verhandelbar sind.
Keine Reproduktion. Eine eins-zu-eins-Nachstellung eines bestehenden Werks von Yayoi Kusama scheidet aus zwei Gründen aus. Erstens widerspricht sie der gestalterischen Anforderung dieses Kurses, denn die Niveaustufen verlangen eine eigenständige Position. Zweitens ist Kusamas Werk urheberrechtlich geschützt. Spätestens wenn Ihre Arbeit beim Rundgang, in einer Ausstellung oder online gezeigt wird, ist das relevant.
Der Bezug zu Kusama muss erkennbar bleiben. Wenn am Ende ein abstrakter Sketch ohne erkennbare Verbindung zur Künstlerin steht, ist die Themenvorgabe verloren. Sie sollten in zwei Sätzen benennen können, an welcher Stelle Ihres Sketches der Bezug zu Kusama liegt: in einem konkreten Werk, in einem Konzept, in einer Bildlogik, in einer Erfahrung.
Keine Polka-Dot-Tapete. Die einfachste und unbefriedigendste Lösung wäre, zufällig Punkte über die Fläche zu streuen und es Kusama zu nennen. Das wird in der Bewertung nicht tragen. Wenn Sie mit Punkten arbeiten, treffen Sie gestalterische Entscheidungen, die über das Dekorative hinausgehen.
Keine direkte Übernahme von Material. Farbpaletten, Musterausschnitte oder Bildausschnitte aus konkreten Kusama-Werken sind kein Asset, das Sie einfach übernehmen. Wer Farben oder Strukturen aufgreift, überführt sie in eine eigene Komposition.
Besuchen Sie die Ausstellung Yayoi Kusama im Museum Ludwig in Köln. Sie läuft vom 14. März bis 2. August 2026 und damit über die gesamte Dauer des Sommersemesters. Über 300 Arbeiten aus allen Werkphasen sind dort versammelt, darunter Installationen, die Sie nirgendwo sonst sehen können.
Ich empfehle den Besuch ausdrücklich. Das hat zwei Gründe. Sie begegnen Kusama im Original, nicht über Reproduktionen im Netz. Und Sie nehmen die Stadt als Ressource ernst, was im weiteren Studium und im Beruf eine Haltung ist, die sich auszahlt.
Weitere Informationen und Tickets: Yayoi Kusama im Museum Ludwig
Kusamas Werk hat fünf Eigenschaften, die für generative Gestaltung besonders ergiebig sind. Sie können Ihnen als Einstieg dienen, müssen aber nicht erschöpfend sein. Eine umfassende Bildergalerie zur aktuellen Kölner Ausstellung finden Sie auf der Seite des Museum Ludwig.
Polka Dots, Infinity Nets, Akkumulationen. Die Wiederholung ist eine der Grundlogiken generativer Gestaltung. Bei Kusama wird sie zur künstlerischen Position, nicht zur Methode.
Werkbeispiele und Audioführung:
Kusama spricht von Self-Obliteration, dem Aufgehen des Einzelnen im Gesamtmuster. Ein Konzept, das sich in interaktive Visualisierung übersetzen lässt, etwa indem die Spur einer Nutzerin im wachsenden Muster verschwindet.
Hintergrund mit Werkkontext: Ausstellungsguide der Tate Modern.
Kusama beschreibt ihr Werk als Verarbeitung halluzinatorischer Erfahrungen, in denen Körper und Umgebung von Punkten und Blüten überwuchert werden. Eine generative Übersetzung kann diese Erfahrung simulieren, nicht nur illustrieren.
Werkverlauf und Biografie: From Here to Infinity, Tate Etc..
Die Infinity Mirror Rooms inszenieren Unendlichkeit als räumliche Erfahrung. Generativ lässt sich Unendlichkeit anders erzählen, etwa als Möglichkeitsraum, als rekursive Struktur oder als unbegrenzte Variation.
Werkübersicht zu den Infinity Rooms: Hirshhorn Museum, Smithsonian.
Schon in den frühen Happenings und den Infinity Rooms wird die Betrachterin Teil des Werks. Das deckt sich präzise mit der interaktiven Logik, die in diesem Kurs eingeübt wird.