Praxisprojekte & Abschlussarbeiten

bei Christian Noss

Informationsarchitektur als räumliche Klanglandschaft

TL;DR

Websites denken wir fast nur visuell. Hier geht es um eine Website, die man vor allem über Raumklang erkundet: Inhalte haben einen Ort im Klangraum, Navigation fühlt sich an wie Bewegung und Hierarchie wird hörbar. Das kann ein schönes Hörerlebnis werden, aber auch ein ernst gemeinter neuer Zugang zum Web ohne Bildschirm.


Worum geht’s?

Mit der Web Audio API kann der Browser längst 3D-Sound. Der PannerNode mit HRTF setzt Klänge über Kopfhörer erstaunlich plastisch in den Raum, also vorne, hinten, nah oder fern. Mit Resonance Audio kommt noch Raumakustik dazu. Im Webdesign spielt Klang trotzdem kaum eine Rolle, höchstens als Klick-Sound oder Hintergrundmusik.

Dabei ist visuelle Gestaltung durch und durch räumlich: Nähe heißt Zusammengehörigkeit, Größe heißt Wichtigkeit, Position heißt Reihenfolge. Screenreader machen daraus einen linearen Sprachstrom, und genau diese räumliche Ordnung geht dabei verloren. Sonic Interaction Design, Auditory Displays und Earcons liefern seit Jahren die Grundlagen, und Audio Games zeigen, dass man sich in rein akustischen Welten gut zurechtfindet. Was bisher fehlt, ist die Übertragung auf ganz normale Websites.

Mögliche Zielbilder

  1. Der Klangraum als Website: Ein Portfolio, ein Ausstellungskatalog oder ein kleines Magazin, das man hörend erkundet. Der Bildschirm ist dabei Nebensache.
  2. Der hörbare Layer: Eine Library oder Browser-Extension, die sauber ausgezeichnete Seiten in einen Klangraum übersetzt. Überschriften, Landmarks und Links bekommen dann einen Ort und einen eigenen Klang.
  3. Das Gestaltungsvokabular: Ein Baukasten, in dem man ausprobieren kann, wie sich Nähe, Kontrast, Hierarchie und Rhythmus anhören. Am Ende steht ein Pattern-Set für akustische Interfaces.

Spannende Fragen

Wie groß darf’s sein?

Zur Präsentation gehört auf jeden Fall eine Hörstation mit Kopfhörern. Für Video und Bilddoku bietet sich eine Draufsicht an, in der man sieht, wie sich die Hörposition durch den Raum bewegt.

Worauf Sie sich einstellen sollten

HRTF funktioniert nicht bei allen Menschen gleich gut, und vorne und hinten werden gern verwechselt, also früh testen. Ohne Kopfhörer geht es nicht. Klänge, die anfangs charmant sind, nerven nach zehn Minuten oft gewaltig, deshalb brauchen Sie viele Iterationen. Und Tests mit blinden und sehbehinderten Menschen brauchen Vorlauf und Fingerspitzengefühl, Kontakte also am besten früh knüpfen, zum Beispiel über Selbsthilfeverbände.

Darauf können Sie aufbauen

Auf der Sound-Seite: Soundgenerierung mit Webtechnologien und Sebastian Brocks WebSynth. Auf der Accessibility-Seite: Meike Jungilligens’ Arbeit zur Screenreader-Unterstützung in Vuetify und Mia Charlotte Henrichsmeyers Arbeit zu barrierefreien Mikrointeraktionen. Der Unterschied: Hier geht es nicht ums Prüfen, sondern ums Gestalten.

Passt zu Ihnen, wenn …

… Sie ein gutes Ohr haben, Lust auf Sounddesign und Interaktionsgestaltung mitbringen, mit JavaScript klarkommen (in Web Audio kann man sich einarbeiten) und gern mit echten Menschen testen. Zusammenarbeit mit Leuten aus Musik- oder Audio-Studiengängen ist ausdrücklich willkommen.


Einstieg & Inspiration